Bernhardiner – Border Collie – Mix „Nanouk“

Rüde, intakt, geb. 2013

Nanouk kam im März ´22 zu uns aus einem Tierheim, da er dort Aggressionsverhalten gegenüber den Mitarbeitern zeigte. In der Anfangsphase zeigte er sich freundlich und zugänglich, jedoch wurde da auch schon „der Blick härter“, wenn es mal nicht so lief, wie er wollte.

Nanouk ist ein Border Collie – Bernhardiner – Mix und genauso verhält er sich auch. Der Border ist als Koppelgebrauchshund ein kooperativer, lösungsaffiner und geselliger Typ, während der Bernhardiner als Herdenschutzrelikt eher auf Eigenständigkeit, einen eingeschränkten Sozialkreis und Handlungsbereitschaft zurückgreifen sollte. Beide Hundetypen sind eher kontrovers im Aufgabenrepertoire selektiert und gezüchtet worden – 1x Arbeit auf Ansage mit eindeutiger Arbeitszeit und Aufgabenstellung und 1x das permanente selbstständige Handeln und das Erschaffen von eigenen Verantwortungsgebieten. Auch in Nanouk schlagen „diese zwei Herzen in einer Brust“, und so steht er sich manchmal selbst im Wege…

Eigentlich muss man sagen, dass der Gute ein „armes Würstchen“ ist, da ihm seine vorherigen Halter nie die Möglichkeit gaben, sich mit der Welt, in der er lebte zu arrangieren. Hier sind wohl seinerzeit die Konflikte im täglichen Miteinander gar nicht angegangen worden und man lebte auf Gentlemen-Agreement Basis – will heißen, dass das Tier alles durfte, wenn es es wollte. Nouki hat gelernt, dass man nur ordentlich nerven muss und es läuft dann, wie man möchte. Was natürlich ganz weit weg ist vom Erziehungsauftrag der Halter, da das Tier immer opportun agieren wird. Gerade das Thema Frust und der Umgang damit wird ihn noch lange beschäftigen, da er in einem Alter angekommen ist, bei dem Modifikationen im Verhalten und das Regulieren der eigenen Emotionen nur kleinschrittig realisierbar ist. Frust kommt immer dann auf, wenn die eigenen Wünsche nicht realisiert werden – hat das Individuum keine Möglichkeit dieses beklemmende Gefühl zu regulieren, wird es immer im Anschluss Wut empfinden (was normal ist, denn auch im Stau auf der A7 schaut man selten in gut gelaunte Gesichter…). Nanouk kommt mir manchmal vor, wie der kleine Jeremy-Pascale, der im Einkaufsladen wütend auf der Erde liegend schreit, strampelt und um sich tritt. Hier fehlte Nanouk in jungen Jahren die helfende Hand, die ihn Ruhe und Umgangsformen vermitteln hätte können…

Nanouk ist kein übler Typ, wenn man sich erstmal mit ihm arrangiert hat. 0-8-15 – Ritualisierungen (z.B. Maulkorb aufziehen und anleinen) hat er in adäquatem Zeitraum erlernt und nimmt diese gut hin und an. Generell sollte auch weiterhin darauf geachtet werden, dass der „ältere Herr“ nicht im Sprinttempo Neues erlernt und man eher auf Kleinschrittigkeit setzen sollte.

Nanouk liebt es mit seinen Menschen zu kuscheln. Im Zwinger drückt er sich regelrecht in die Gitter, damit die interessanten Stellen erreicht werden können. Im Zwingerinnenraum, oder im Auflauf kommt er immer wieder an, um sich 1-15 liebevolle Hände abzuholen.

Als Hofhund-Mix ist es seine primäre Aufgabe (und Leidenschaft) alles Fremde in erster Linie zu verbellen – und, wie sollte es auch anders sein, das macht er sehr, sehr zuverlässig.

Mit anderen Hunden entscheidet bei ihm ganz klar die Sympathie – so läuft er unproblematisch in unserer Gruppe, kann aber auch mal loslegen, wenn ein neues Gruppenmitglied den Platz betritt – und wenn über 40 kg loslegen ist das schon nicht mehr witzig! Vergesellschaftungsvorgänge sind aber nicht erfolglos – so kann er es auch annehmen, wenn der, gestern noch so ungeliebte, Typ am Folgetag wiederholt aufs Gelände kommt (ohne zu eskalieren, wenn der ernstgenommene menschliche Partner ein wenig hilft).

Da das Teilen von (für ihn) wertvollen Dingen nicht erlernt wurde, ist es auch nicht verwunderlich, dass er auch hier handlungsbereit ist. Man spricht dann von einer sogenannten Ressourcen-Aggression. Nanouk verteidigt sein Essen, wenn man sich diesem nähert. Da bei uns niemand um Essen kämpfen muss, haben wir mit ihm besprochen, dass man vom Essen auch mal weggehen kann, ohne das etwas Schlimmes passiert – was aber durch unbekannte oder nicht ernstgenommene Personen schlichtweg nicht herstellbar ist, sondern erarbeitet werden muss.

Nanouk ist ein ganz toller Hund für Menschen, die wissen, was sie wollen. Hier geht es weniger um Härte gegenüber dem Sozialpartner Hund (wie es leider noch häufig propagiert wird), als um Ernsthaftigkeiten im Geforderten. Wer jemanden haben möchte, der auf Haus und Hof aufpasst, wenn man nicht da ist, ist bei Nouki genau richtig. Es wäre für den Lümmel ein Traum, wenn er einen Gnadenhofplatz, oder einen handlungsfähigen Halter finden könnte, damit die lange Reise, nach dem erzwungenen Auszug ein Ende hat.

Wer Nanouk kennenlernen möchte, oder ein paar Frage zu ihm hat, kann sich gerne bei uns melden unter info@hundeschule-mittelholstein.de oder unter 0162/9224995